Bomben-Evakuierung im April: Dezernent Claus Ruppert beantwortet Fragen der GenossInnen

Vor knapp zwei Monaten beunruhigte ein Bombenfund die Bewohner der südlichen Innenstadt, des Magniviertels und des Stadtteils Viewegs Garten. Rund 10.400 AnwohnerInnen und Hotelgäste sollten evakuiert werden – was nicht pannenfrei und hundertprozentig klappte. Die SPD Innenstadt lud deshalb den Genossen und Ordnungsdezernenten Claus Ruppert ein, um über den Einsatz rückblickend zu diskutieren.

Claus Ruppert (links) und Philip Brakel Bild: Klaus Knodt
Mitglieder beider Ortsvereine diskutieren

OV-Beisitzer und Bezirksrat Philip Brakel begrüßte den Gast im Dr. Heinrich-Jasper-Saal vor rund 25 Mitglieder der Ortvereine Innenstadt und Viewegs Garten-Bebelhof, darunter der OV-Vorsitzenden Garnet Rösch-Meier und Ratsherr Frank Flake. Ruppert schilderte:

 

„Am 11. April um kurz vor 15 Uhr traf die Meldung ein, bei Bauarbeiten in der Hennebergstraße sei eine Fliegerbombe gefunden worden. Ein Bagger hatte sie berührt. Deshalb entschied der Niedersächsische Kampfmittelräumdienst, dass eine sofortige Entschärfung unumgänglich sei“, so Ruppert. Dieser habe auch den großen Sperrkreis in einem „Zirkelschlag“ von 1000 Metern um die Fundstelle festgelegt. Ruppert: „Das sind die Experten. Was der KMRD sagt, gilt für uns als Stadt selbstverständlich.“

 

Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren mußten alarmiert und teilweise aus ihren Arbeitsstellen zusammengezogen werden. Die Berufsfeuerwehr mußte erstmal auf die Schnelle einen Lageraum einrichten und besetzen. Dazu wurde im Schulzentrum Heidberg eine Sammelstelle eingerichtet: „Das geht nicht in fünf Minuten, das dauert natürlich. Trotzdem vergingen vom Fund der Bombe bis zur Entschärfung einschliesslich der Evakuierung nur 12 Stunden. Das haben wir unvorbereitet aus dem Stand heraus gelöst. Eine großartige Leistung aller haupt- und ehrenamtlichen Kräfte von Polizei, Feuerwehren, THW und anderen Rettungsorganisationen.“ So habe man u.a. vor der Aufgabe gestanden, ein komplettes Seniorenheim in der Böcklerstraße zu räumen. Erschwert wurde die Evakuierung durch Unwetter mit Starkregen.

 

Allerdings gab es auch Schwachpunkte, räumte Ruppert ein:

  • So konnte trotz Computerunterstützung das Evakuierungsgebiet anfänglich nicht klar dargestellt werden. Straßen wie Ölschlägern, Herrendorftwete und Langedammstraße wurden im EVA-Plan zunächst glatt „vergessen“.
  • Das Bürgertelefon und andere Anfragemöglichkeiten für die betroffenen BürgerInnen war völlig überlastet. Ruppert: „Das ändert sich nach dem Neubau der Feuerwehr-Einsatzzentrale“.
  • „einige uneinsichtige Bürger“ hätten die Evakuierung behindert. Wie viele der über 10.000 Menschen die betroffenen Gebiete tatsächlich verlassen haben, bleibt bis heute ein Geheimnis – das Sammelzentrum Heidberg, ohnehin nur für 700 Personen ausgelegt, wurde nicht einmal voll.

 

Kritik gab es an fehlenden Informationen während der Evakuierung. Ortsunkundige Polizeikräfte aus Hannover hatten buchstäblich „keinen Plan“, viele ältere Mitbürger wurden durch neue Kommunikationsformen (Internet, Twitter, Facebook) nicht erreicht, weil sie nicht einmal Computer besitzen. Ruppert: „Wir haben deshalb auch darauf gesetzt, mit Beamten von Tür zu Tür zu gehen.“

 

Mit Beifall und um viele Antworten reicher bedankten sich die SPD-Mitglieder bei Claus Ruppert für seine Ausführungen.

Text + Fotos: Klaus Knodt